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Diskussionsveranstaltung

 

"Zukunft unserer Krankenhäuser"

„Wir zittern seit Jahren“

Zu wenig Eigenwerbung und zu wenig Unterstützung der lokalen Politik – das waren die Kritikpunkte von Mitarbeitern des Geomed-Krankenhauses auf einer SPD-Veranstaltung.

 

Mit den allgemeinen Aussagen der SPD-Mandatsträger oder Kandidaten zur Krankenhauspolitik von Bund und Ländern wollten sie nicht zufriedengeben: Sie bohrten nach. Denn ein großer Teil der rund 50 Besucher der Veranstaltung „Zukunft der Krankenhäuser“ im Gasthaus „La Torre Bianca“ gehörte nämlich zur Belegschaft von kleinen Kliniken wie dem Geomed oder den Haßberg-Kliniken und wollte wissen, was die Sozialdemokraten für kleine Häuser denn zu tun gedenken.

Notaufnahme wichtiges Element

„Wir zittern seit Jahren“, sagte eine Mitarbeiterin aus dem Geomed zu Beginn der Diskussionsrunde. Ihr ging es vor allem um die Notaufnahme. Würden Notaufnahmen in der Fläche wegfallen, könnten große Häuser diese nie und nimmer auffangen und die jetzt schon langen Wartenzeiten würden noch länger werden. Das bestätigte eine Rettungsdienstlerin: „Geo muss bleiben.“ Die Frau monierte außerdem, dass die Klinik viel zu wenig auf das hinweise, was an diesem Haus medizinisch alles möglich sei.

Das unterstützte Dr. Manfred Klein, 31 Jahre lang Chefarzt der Inneren Abteilung, den die SPD als Experten eingeladen hatte. „Die Bevölkerung sollte wissen, was das Haus alles kann. Sie weiß es aber nicht.“

Die Sorge der eingangs zitierten Geomed-Mitarbeiterin war es auch, dass in Deutschland 80 000 Pflegekräfte fehlen und es zudem Pläne gebe, die drei Pfleghebereiche Krankenpflege, Altenpflege und Kinderpflege von der Ausbildung her zusammenzulegen. „Wir müssen aber über Fachkompetenz verfügen“, forderte die Frau die Beibehaltung der bisherigen Ausbildung.

Onkologin hält Sprechstunde am Geomed

Die wirtschaftliche Bedeutung des Geomed mit seinen weit über 200 Arbeitsplätzen hob Horst Gandziarowski (Ex-Stadt- und Ex-Kreisrat der SPD) hervor. Gut sei aber, dass jetzt eine Onkologin aus Schweinfurt regelmäßig zu Sprechstunden ins Geomed komme. Bei den Gerolzhöfer Politikern aller Couleur sowohl im Stadtrat als auch im Kreistag Schweinfurt vermisst Gandziarowski „etwas mehr Einsatz“ für die Kreisklinik.

Ebenfalls den wirtschaftliche Aspekt brachte eine Geomed-Krankenschwester ins Spiel: „Wenn ich hier nicht mehr arbeiten kann, werde ich hier auch nicht mehr einkaufen.“

Rahmenbedingungen wichtiger als Gehalt

Was eine andere Diskussionsteilnehmerin angesprochen hatte, griff SPD-Landtagsgeordnete Kathi Petersen auf, die im Herbst für den Raum Schweinfurt erneut für den Landtag kandidiert: Vielen Pflegekräften gehe es nicht in erster Linie um mehr Geld für sie selbst, sondern um bessere Rahmenbedingungen. In diese müsste der Freistaat investieren. Gute Bedingungen würden letztlich auch dazu dienen, den Pflegeberuf attraktiver zu machen. Die Krankenquote bei Pflegekräften sei jedenfalls um das 1,3-Fache höher als bei der übrigen Bevölkerung. Um zusätzliches Personal zu finanzieren, ist es laut Petersen notwendig, die staatlichen Investitionen in Krankenhäuser zu erhöhen. „Die Staatsregierung hat in der Vergangenheit die entsprechenden Haushaltsmittel zurückgefahren, deswegen investieren Krankenhäuser aus Eigenmitteln. Dieses Geld wird letztlich bei den Pflegekräften eingespart und darunter leiden das Personal und die Patienten", meinte Petersen.

Kritik am dualen Studium

Eine andere Diskutantin kritisierte das duale Studium in der Krankenpflege. Ein duales Pflegestudium umfasst sowohl die Ausbildung zur examinierten Pflegefachkraft als auch die Ausbildung in weiteren Kompetenzen, etwa in der wirtschaftlichen Führung und der Organisation einer Pflegeeinrichtung. „Wer ein solches Studium hat, stellt sich nicht ans Krankenbett, sondern geht lieber in eine Besprechung“, sagte die Kritikerin. Diesen Pessimismus teilte Petersen nicht. Eine General-Ausbildung funktioniere auch in 25 anderen europäischen Staaten.

„Wie steht es um unser Haus?“

„Ich will erfahren, wie es mit der Geomed-Klinik weitergeht. Wie steht es um unser Haus? Steht ihr hinter dem Haus?“, fragte die nächste Geomed-Mitarbeiterin. Abgeordnete seien da der falsche Adressat, entgegnete Diskussionsleiter Jürgen Kößler, den die SPD für die Landtagswahl 2018 als Direktkandidaten für den Stimmkreis 605 ins Rennen schickt (zu diesem Stimmkreis gehören auch die Stadt Gerolzhofen, die sieben weiteren Mitgliedsgemeinden der Verwaltungsgemeinschaft und die Großgemeinde Kolitzheim). Denn nicht Abgeordnete betreiben die Klinik, sondern im Falle der Gerolzhöfer Klinik der Landkreis Schweinfurt. Die SPD sei der Ansicht, dass die staatlichen Gelder für Kliniken nicht ausreichen, sei aber mit ihrem Antrag im Landtag an der CSU gescheitert.

Röder: Lage des Geomed ein Problem

Birgit Röder, Kreisrätin und Landtagskandidatin der Grünen aus Gerolzhofen, erklärte, es sei ein Problem, dass das Geomed im Süden des Landkreises liege. Dorthin gehe aber niemand aus dem Norden, der das Defizit aber mittragen müsse. Darüber hinaus versorge das Geomed noch Teile der Landkreise Kitzingen und Bamberg. Dem Landrat Florian Töpper (SPD) attestierte Röder allerdings, alle Register zu ziehen, um das Haus zu halten.

Am Ende gab es dann doch noch ein klares Bekenntnis von SPD-Kandidaten und Mandatsträgern für kleine Krankenhäuser. Kößler sprach die hohe Emotionalität an: „Hier wird geboren und gestorben. Da dürfen nicht nur ökonomische Faktoren zählen. Wir brauchen kleine, leistungsstarke Kliniken in der Fläche.“ Und Petersen: „Wir wollen doch die Gleichwertigkeit der Lebensverhältnisse in Stadt und auf dem Land. Bei der Erhaltung von Krankenhäusern geht es auch um die Attraktivität von kleinen Städten.“

Junge Ärzte meiden das Land

Manfred Klein: „Ich mache mir um das Geomed eigentlich keine Sorgen. Die viel größere Sorge ist, das immer weniger Ärzte im ländlichen Raum arbeiten wollen.“

In seinem Eingangsstatement hatte Jürgen Kößler, selbst Facharzt an der Universitätsklinik Würzburg, von einer hohen Arbeitsverdichtung mit zu wenig Zeit für den Patienten gesprochen, der sich zunehmend als Nummer fühle. Für Manfred Klein ist es das größte Manko in der Gesundheitspolitik, dass seit 2004 mit den Fallpauschalen die Ökonomie in die Medizin eingezogen sei. Eine wohnortnahe Notfallversorgung sei für die Bürger wichtig. „Das ist die erste und teuerste Verteidigungslinie.“ Auch Kathi Petersen bezeichnete die Fallpauschalen als Sündenfall. In einer Klinik müssten sich Ärztliche Leitung, Pflegedienstleitung und Geschäftsführung auf Augenhöhe befinden und nicht der Geschäftsführer alleine an der Spitze stehen.

Die SPD-Bundestagsabgeordnete Sabine Dittmar, selbst Ärztin, erklärte, aus den Erträgen durch die Fallpauschalen würden Kliniken Gelder für Investitionen abzwacken, anstatt sie in die Pflege zu stecken. Dennoch will sie an den Fallpauschalen festhalten, allerdings in modifizierter Form.

 

Quelle des Artikels: Mainpost vom 22.07.2018

SPD Ortsverein Gerolzhofen  | info@spd-gerolzhofen.de